Das Schäferspiel

Die Ursprünge der Volksschauspiele liegen in der Liturgie und im mittelalterlichen Mysteriendrama. Alle Stücke haben lokale Bräuche und mittelalterliche Glaubensinhalte der christlichen Weihnachts- und Osterliturgie zum Inhalt. Von einer ursprünglichen Vielzahl von Spielen stehen heute nur mehr fünf zur Verfügung. „Das Spiel vom reichen Prasser und dem armen Lazarus“ gilt als das älteste und wird zusammen mit dem „Schäferspiel“, in Laßnitz seit der Spielperiode 1929/30, aufgeführt. Das „Paradiesspiel“ zeigt die Erschaffung des Menschen, die Vertreibung aus dem Paradies sowie die Erlösung durch Gottes Sohn. Das „Hirtenspiel“ stellt die Geburt Jesu von der Verkündigung des Engels an Maria bis zur Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten dar und das „Genovevaspiel“ handelt von der Legende der Pfalzgräfin Genoveva von Brabant und folgt in seinem Inhalt einem deutschen Volksbuch. Die Texte werden in alter Mundart in Prosa oder Reimform und häufig als Lied vorgetragen, wobei Gestik und Mimik weitestgehend vorgegeben sind.
Früher wurden die Laßnitzer Volksschauspiele in bäuerlichen Stuben und später auch in Gasthäusern der Umgebung aufgeführt. Heute wird der Kultursaal genutzt, wobei als Kulisse immer bloß ein schlichter Vorhang dient. Es werden keine Bühnenbilder und kaum Requisiten verwendet, was dem Publikum eine fantasievolle Auseinandersetzung mit dem Spielgeschehen abverlangt. Für die Bewahrung der Texte, die Terminfestlegung der Aufführung sowie die Auswahl der Stücke und der Schauspieler*innen ist der Spielleiter zuständig. Die Laßnitzer Volksschauspiele wurden 2016 in die österr. Liste des immateriellen Kulturgutes der UNESCO aufgenommen.